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Prof. Dr. Adina Mornell überrascht mit Forschungs- ergebnis in Reykjavík PDF Drucken einem Freund erzählen
Mitglieder Forschungsgruppen

»Selbstbestimmtes Musiklernen« - dieses Thema beschäftigt eine internationale Gruppe von WissenschaftlerInnen, deren Präsentationen zu den Höhepunkten einer internationalen Tagung ISPS (International Symposium on Performance Science) vom 30.8. bis 2.9.17 in Reykjavík gehörten. Aus zahlreichen Einreichungen und Peer-Review-Verfahren wurde u.a. der Vortrag des Kooperationsprojekts der HMTM und der Universität Melbourne ausgewählt.
Ein erfolgreicher Antrag beim Staat Bayern (»Bayerisches Förderprogramm zur Anbahnung internationaler Forschungskooperationen«) ermöglichte die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen. Hierdurch konnten gegenseitige Besuche von Prof. Dr. Gary McPherson in München und Prof. Dr. Adina Mornell in Melbourne realisiert werden und ein gemeinsames Experiment geplant, durchgeführt und ausgewertet werden, das die Grundlage des Vortrags war.

Das immense Interesse der HMTM/UM-Präsentation (Enhanced Practice Strategies for Musical Performance: Evaluation of the Learning Process in Elite Performers) ließ sich am voll besetzten Auditorium erkennen. Die von Prof. Adina Mornell vorgestellten hochsignifikanten Ergebnisse führten zu einem regen Austausch unter den nach Reykjavík angereisten Gästen. Versammelt waren Vertreter von Musikhochschulen aus Brasilien bis Kanada, von Schottland bis Norwegen, über Australien bis hin zum Gastgeber Island.

Prof. Dr. Adina Mornell präsentierte auf dem ISPS ein Übe-Experiment, das mit professionellen MusikerInnen und fortgeschrittenen MusikstudentInnen in München durchgeführt wurde. Es konnte gezeigt werden, dass Selbstbestimmung und Innovation bei Übestrategien zum effektiveren Lernen führen. Ihr Vortrag lieferte prägnante Ergebnisse: Jene Personen, die Übemethoden praktizieren, die sich von der bloßen Wiederholung weit absetzen, trainieren das Musikstück auf vielschichtige Art und Weise und können langfristig auf das Gelernte zurückgreifen. Andere MusikerInnen erzielen das gleiche Ergebnis, jedoch mit höherem Zeitaufwand, Körperverspannung und Motivationsverlust (Frustration).

Überaus aufschlussreich war dabei auch die fehlerhafte Selbsteinschätzung der TeilnehmerInnen, als es darum ging, das eigene Üben zu bewerten. Wer eine Strategie wählte, bei der das Repetieren im Vordergrund stand, bewertete die eigene Übeeinheit für sich positiver, als jene, die mit Variationen und ausgefallenen Aufgaben beim Üben experimentierten.
Jedoch zeigte die Benotung der Übevideos im Blindverfahren durch zwei professionelle MusikerInnen genau das Gegenteil: Je weiter die Strategie von der stetigen Wiederholung entfernt war, desto effektiver wurde das Ergebnis der Übeeinheit von diesen Profis wahrgenommen.

Wer sich für dieses Experiment und andere Themen der Tagung interessiert:
Sämtliche Abstracts des ISPS sowie Informationen über diese Reihe von Symposien sind kostenlos zu finden auf: http://www.performancescience.org.

Außerdem werden solche Projekte u.v.m. auf dem nächsten Art in Motion Symposion in München präsentiert: ART IN MOTION 2018. Training for Creative Excellence, 8. + 9. Juni 2018, www.t4x.eu


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Foto (von links nach rechts)
Hintere Reihe: Siw G. Nielsen1, Margaret S. Osborne2, Johannes Hatfield1, Paul Evans3, Gary E. McPherson2
Vordere Reihe: Adina Mornell4, Laura Ritchie5

1
Department of Music Education and Music Therapy, Norwegian Academy of Music, Norway
2 Melbourne Conservatorium of Music, University of Melbourne, Australia
3 School of Education, University of New South Wales, Australia
4 University of Music and Performing Arts Munich, Germany
5 University of Chichester, UK