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Enttabuisierung von sexueller Belästigung durch Beratung und Information

Was ist sexuelle Belästigung?
Sexuelle Belästigung beginnt dort, wo signalisierte Grenzen überschritten werden. Sexuelle Belästigung ist ein geschlechtsbezogenes Verhalten, das als respektlos und verletzend empfunden wird. Es äußert sich in verbaler, nichtverbaler oder physischer Form. Bezweckt oder bewirkt wird die Verletzung der Würde einer Person oder die Schaffung eines durch Einschüchterungen, Anfeindungen, Herabsetzungen, Demütigungen, Beleidigungen oder Verstörungen geprägten Umfelds.
  • Sexuelle Belästigung kann sich wie folgt ausdrücken:
  • anzügliche Witze
  • Zeigen pornographischer Darstellungen
  • unerwünschte Berührungen
  • abfällige, sexistische Bemerkungen über Aussehen, Verhalten und Privatleben
  • Stalking, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung

Sexuelle Belästigung ist stets einseitiges Verhalten, das sich grundlegend von Flirts oder Komplimenten unterscheidet und häufig zu Stresserleben, Verunsicherung, Angst, Depression sowie psychosomatischen Beschwerden und in der Folge zu Leistungsminderung oder Versagen führen kann.
In allen gesellschaftlichen Kontexten, vor allem am Arbeitsplatz, aber auch im Rahmen einer Ausbildung oder im Studium, gibt es Frauen und Männer, die von sexueller Belästigung betroffen sind.
Zwischen einer Dozentin/einem Dozenten an einer Musikhochschule und ihr/ ihm zur Einzelausbildung zugewiesenen Studierenden besteht schon aufgrund des einzigartigen, in der persönlichen Nähe begründeten Ausbildungsverhältnisses eine ganz besondere Abhängigkeit. Auch im Gruppenunterricht, insbesondere in den Bereichen Ballett und Theater, können bestehende Abhängigkeits- und Machtverhältnisse ausgenutzt und so Grenzverletzungen und unangemessene Annäherungsversuche gefördert werden.
Es gibt aber auch Fälle, in denen sexuelle Belästigung in umgekehrter Richtung erfolgt: So werden auch Lehrende immer wieder Opfer sexueller Belästigungen durch Studierende.
Betroffene müssen in vielen Fällen negative Konsequenzen fürchten wie Anfeindungen, Schikanen oder Benachteiligungen, wenn sie sich wehren. So werden sie zu doppelten Opfern.
Dies gilt es zu verhindern!


Was können Vorgesetzte tun?
Ein sensibler Umgang mit dem Thema sexuelle Belästigung gehört zur Führungsqualität. Sexuelle Belästigung darf von Vorgesetzten nicht toleriert, bagatellisiert oder ignoriert werden. Wenn Sie sexuelle Belästigung erkennen oder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um Hilfe gebeten werden, müssen
Sie nach Rücksprache und mit Zustimmung der/des Betroffenen tätig werden. Falls Sie unsicher sind, wie Sie sich in einer solchen Situation verhalten sollen, wenden Sie sich an die auf der Rückseite des Flyers angegebenen Beratungsstellen.

Welche Unterstützung bietet die Hochschule?
Die Hochschule für Musik und Theater München bekennt sich zu einem offenen Umgang mit dem Thema sexuelle Belästigung. Sie verpflichtet sich, ein Studien- und Arbeitsumfeld zu fördern, das von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Sexuelle Belästigung wird an der Hochschule für Musik und Theater München deshalb unter keinen Umständen geduldet und entsprechend negativ sanktioniert.
Die Hochschule für Musik und Theater München setzt sich für den Schutz vor sexueller Belästigung ein, indem sie in Kooperation mit den Frauenbeauftragten der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) die Teilnahme an den von ihnen initiierten Aktivitäten (z.B. Beratungsangebote, Workshops) ermöglicht. Die Teilnahme an diesen Aktivitäten steht allen Mitgliedern der Hochschule für Musik und Theater München offen.
Die Hochschule für Musik und Theater München hat sichere Arbeits- und Studienbedingungen zum Ziel und will deshalb ein Klima der Solidarität und Gleichberechtigung aufrechterhalten, in dem sich alle angstfrei und ohne Einschränkung ihrer Entwicklungsmöglichkeiten gegen sexuelle Belästigung zur Wehr setzen können.


Was können Sie tun?
Aus Angst, als prüde, empfindlich oder humorlos zu gelten, verleugnen oder beschönigen viele Betroffene sexuelle Belästigung. Übergriffe zu ignorieren ist jedoch keine effektive Umgangsweise mit sexueller Belästigung und wird überdies häufig als Zustimmung gewertet. Auch vermeintlich schlagfertige oder scherzhafte Entgegnungen sind ebenso wenig erfolgreich wie scheinbare Anpassung an das Verhalten des Belästigers. Betroffene sollten mit deutlichen Worten klare Verhältnisse schaffen, sich bewusst machen, dass sie kein Einzelfall sind und dass sie keine Schuld trifft!

  • Warten Sie nicht darauf, dass das Fehlverhalten von allein aufhört!
  • Bleiben Sie nicht allein! Sprechen Sie mit Menschen Ihres Vertrauens und wenden Sie sich an die zuständigen Beratungsstellen!
  • Sagen und zeigen Sie deutlich, dass Sie das gezeigte Verhalten nicht akzeptieren!
  • Dokumentieren Sie sexuelle Belästigung zeitnah und schriftlich, mit Angabe von Ort und Zeit, Umständen und mit wem Sie darüber bereits gesprochen haben!
  • Fürchten Sie sich nicht vor negativen Konsequenzen! Nur diese Angst gibt dem Täter oder der Täterin so viel Macht!


Alle Mitglieder der Hochschule sollten für die Themen sexuelle Belästigung, Benachteiligung und Diskriminierung sensibilisiert werden. Nur ein fairer Umgang schafft eine gute Arbeitsatmosphäre.
Sollten Sie mit Mitgliedern der Hochschule für Musik und Theater München Situationen erleben, die Sie als sexuelle Belästigung empfinden, wenden Sie sich auch im Zweifel an unsere Beratungsstellen.

Immer gilt: Niemand darf zu etwas gezwungen werden, das sie/er ablehnt!

An wen können Sie sich wenden?
Sie können sich an die im Folgenden genannten Beratungsstellen wenden und dabei sicher sein, dass alle Ihre Angaben vertraulich behandelt werden. Ohne Ihre Zustimmung werden keine Schritte unternommen! Welche Maßnahmen Sie ergreifen möchten, entscheiden allein Sie selbst.

Die Beratungsstellen stehen Ihnen nach Absprache für persönliche Gespräche zur Verfügung.

 

Infobroschüre »NEIN heißt NEIN« zum Download