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Zum Tod von Franz Lehrndorfer PDF Drucken einem Freund erzählen

Die Hochschule für Musik und Theater München trauert um ihr Ehrenmitglied Prof. Dr. h.c. Franz Lehrndorfer, der am 10. Januar 2013 im Alter von 84 Jahren verstorben ist.
Von 1962 bis zu seiner Emeritierung 1993 hat Franz Lehrndorfer an der Hochschule weit mehr als 100 Studentinnen und Studenten ausgebildet. Als Leiter der Abteilung für Katholische Kirchenmusik und Orgel war er ein gesuchter Lehrer, der durch seine zusätzliche Tätigkeit als Münchner Domorganist stets die Verbindung zur Praxis gepflegt hat. Eine große Anzahl von Absolventen ist heute in führenden Positionen als Kirchenmusiker oder Hochschullehrer tätig.
Das Geheimnis seiner erfolgreichen Unterrichtsmethode waren Strenge und Genauigkeit im Detail, vor allem eine penible Anschlags- und Artikulationskontrolle, daneben aber auch die gezielte Förderung der jeweiligen musikalischen Persönlichkeit bis hin zur Ermutigung, auch einmal eigene und unkonventionelle Ideen in die Interpretation miteinzubringen. Auf Probleme, Rückschläge oder Misserfolge reagierte er immer mit menschlicher Wärme, Herzlichkeit und einem guten Schuss Humor, so dass man nie mutlos wurde, sondern den Blick immer wieder nach vorne richten konnte.
Lehrndorfers Bach-Spiel war für die 60er und 70er Jahres des vergangenen Jahrhunderts erstaunlich klar und modern, mit sicherem Gespür hat er manche Errungenschaften der kurze Zeit später einsetzenden historischen Aufführungspraxis für seine Person vorweggenommen und umgesetzt, ohne dabei aber das blutvolle Musizieren zu vergessen. Ganz besonders lag ihm die Orgelmusik von Max Reger am Herzen. Hier entwickelte er einen ganz eigenen Stil als Pendant zu der damals durch Karl Richter in München vertretenen Leipziger Tradition. Dazu kam sein ausgeprägter Sinn für die richtigen Klangfarben, mit denen er Regers spätromantische Harmonien und Akkordzusammenballungen registrierte, nachzuhören in seinen maßstabsetzenden Aufnahmen aus dem Eichstätter und dem Münchner Dom. Weitere wichtige Programmpunkte seiner Unterrichts- und Konzerttätigkeit waren die Orgelwerke von Karl Höller, dem früheren Präsidenten der Hochschule, und von Harald Genzmer; einige davon hat er uraufgeführt. Französische Komponisten wie Marcel Dupré, Maurice Duruflé, Jehan Alain und Olivier Messiaen – heute Allgemeingut im Repertoire – sind erst durch ihn in den Lehrplan der Münchner Hochschule aufgenommen wurden.
Seine Konzerte pflegte er mit einer freien Improvisation abzuschließen, er gehörte zu den herausragenden Vertretern dieser »Königsdisziplin« der Orgelkunst. Virtuosität, Klangfarbenreichtum, meditative Elemente und kontrapunktische Meisterschaft kennzeichneten seine Improvisationen, mit denen er das Publikum begeisterte, auch noch bei seinen letzten Münchner Konzerten in St. Michael und St. Bonifaz im Januar und August letzten Jahres.
Franz Lehrndorfer wird seinen Schülern und Freunden als ein ganz besonderer Mensch und Künstler in Erinnerung bleiben. Trotz seines hohen Könnens ist er immer bescheiden geblieben und hat sich nie in den Vordergrund gedrängt. Die Hochschule dankt ihm für seinen jahrzehntelangen unermüdlichen Einsatz als Pädagoge und für seine herausragende Leistung bei Aufbau und Leitung der Kirchenmusikabteilung, die immer mit seinem Namen verbunden bleiben wird.

Edgar Krapp

 

Gedenkgottesdienst am Montag, 21. Januar 2013 um 11.00 Uhr in der Basilika St. Bonifaz.
Requiem und Trauerfeier finden im Kreise der Familie statt.